Meine schönsten Selbstgespräche


Sonntag

 

Schnauze voll davon, mich dafür zu entschuldigen, dass ich ganztägig Kinder mit mir führe. Und manchmal halbe Sätze abrupt in tröstende Worte zu Schürfwunden oder seitlich bepinkelten Sandalen übergehen. Schnauze voll von geschlossenen Familienausflügen, in die wir nicht 'reinpassen, weil unser Papa auch am Wochenende arbeitet und wir damit aus der Sonnenkäferordnung fallen.

Schnauze voll von Absagen in letzter Sekunde, Schnauze voll von "keine Zeit, aber frag doch in drei Wochen noch mal, eventuell entfällt mein Achtsamkeitsseminar.". Niemanden mehr bitten, nicht mehr verheißungsvoller sein müssen als die Wetter-App. Nicht mehr "ach, macht ja nix, war ja nur ne spontane Frage" lügen. Keine Käsebrötchen mehr geschmiert haben für andere, die dann doch nicht mitkommen, um vom selber essen zunehmend Hefezopfform anzunehmen. Mutterseelenallein sein, ohne sich aufzuerlegen, dass das unendlich traurig ist: und plötzlich gehört der Sonntag ganz allein uns, knisternd, prachtvoll und abenteuerlich.

Los!


Regenwürmer

 

Wenn es zu trocken wird, also, unerträglich trocken, bilden die Würmer ein Knäuel.

Eng umschlungene Gleichgesinnte, tief unten in der Erde, warten geduldig ab, bis das machtvolle Donnerwetter des Regens alles andere übertönt.

Das Hupen und Brüllen und Keuchen und Weinen.

Ein konzentriertes Häufchen Leben und Nähe, das warten kann, das vertraut, das nichts sein will außer es selbst,

eng verwoben zum Gegenteil von Einsamkeit.

Spürt einer den Herzschlag des anderen, da unten in der Dunkelheit?

Jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, wird mir wurm ums Herz.