Wer schön sein will, muss Leidenschaft. Gedichte!


23. Januar 2021

23.01.2021
23.01.2021

Eine Frau steigt auf die Waage:

träge auf und hastig ab

unwirsch knetet sie ein Röllchen

das es kürzlich noch nicht gab

 

und ein Herr zückt einen Mundschutz

den er seit zwei Wochen trägt

was ein käsefarbner Klecks im

unteren Bereich belegt

 

und ein Kind guckt aus dem Fenster 

das vom Gucken schon ganz blind

und es weiß von vielen Kindern

die auch hinter Fenstern sind

 

und 'ne Möwe, die ansonsten

gern aus Tütchen Pommes klaut

einsam auf der Promenade

was von vorvorgestern kaut

 

und ein Greis entnimmt der Zeitung

dass er nun vereinsamt sei

- war nicht gerade noch Besuch da,

im April 2003?

 

Irgendwo seufzt eine Mutter:

üben wir auch heut' Verzicht,

und Geduld und gute Hoffnung

und Triola bitte nicht.

 

Leise regt sich eine Sehnsucht

und dann schläft sie wieder ein.

Irgendwann, das weiss ich sicher

wird es wieder Frühling sein.


Homeoffice

09.04.2020
09.04.2020

Bei der dritten Ladung Wäsche

fällt ihr plötzlich etwas ein:

eine lustige Reklame

für den Holzfällerverein

 

und sie sagt dem Allerliebsten

"Bin mal ganz kurz im Büro"

(das liegt hinter sieben Bergen

aus Bonbonpapier und so)

 

Rechner hoch, die Finger sinken 

emsig auf die Tastatur 

Teenie räuspert sich: "Ich suche

meine Ladekabelschnur?"

  

Telefon, Tante Elfriede

schwärmt von Räucherlachstartar

Avocado, etwas Rettich,

Majo, Zwiebeln, wunderbar

 

vor der Tür die dicke Katze

möchte raus, nee, lieber rein,

drinnen stellt sie fest, sie möchte

doch ganz gerne draußen sein

 

kleine Händchen, zarte Stimme:

"Mama, gummal, senk iß dir!"

und ein halbes Honigbrötchen

landet zwischen @ und 4.

  

"SCHATZ?", sie klingt ein wenig spröde

fern vom Sofa schallt es "Jap?"

"Nimmst du mir mal kurz die Kinder

und vielleicht das Kätzchen ab?"

 

Guten Willens, wenn auch träge

schreit er Namen. Folgenlos.

Katze, Kind und Plüschgorilla

klettern froh auf ihren Schoß

 

knappe sieben Stunden später

ist das große Werk vollbracht:

dvkvgkgkvgvkvvkvvggvdsgsggns!

Zusatzzahl:

408

 


Randbemerkung

2013
2013

Oft bleibt mir zwischen Buchsbaumhecken

der Mutterwitz im Rachen stecken

denn zwischen Anna, Max und Hans

blüht anderes als Toleranz.

 

Das Hohelied der Kinderzucht

erreicht das Väterchen, das flucht

wie auch die Träumerin beim Lesen

lässt sie Jan-Sören Erde essen.

 

Nur wer mit Apfelschnitz bewehrt

die Schaukel schwingt, bleibt unbelehrt,

nur wer die Kletterburg umkreist

stellt klar, was "Aufsichtspflicht" umreißt.

Und wehe der, die abseits hockt

von Tabakrauch hauchzart umglockt...

 

Sieht man dem Spielplatztreiben zu

erinnert's oft an Waterloo:

ach, das gemeine Mütterlein

kann überaus verbissen sein

und selten fasst Familienliebe

auch Anderer Entwicklungsschübe.

 

Die Elternschaft von Liz und Henner

sie bleibt der kleinste aller Nenner!

 


Kleine Klage zur Lage

26.05.2020
26.05.2020

Endlich Kokolores shoppen

endlich wieder billig fliegen

endlich Monsterautos kaufen

wenn wir Prämien dafür kriegen

 

Freiz-, äh, Freiheit, lieb und teuer

freut uns alle

Ungeheuer.